1938

Am 28. Januar 1938 unterzeichnete der Staatsprotektor Konstantin Päts mit seinem Erlass Nr. 35 „aufgrund eines unaufschiebbaren dringenden staatlichen Bedürfnisses“ das Gesetz über die Estnische Akademie der Wissenschaften.

Die erste Plenarsitzung der zwölfköpfigen Akademie der Wissenschaften fand im April desselben Jahres statt. Nach der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion wurde die Akademie der Wissenschaften aufgelöst – am 17. Juni 1940 wurde der Präsident der Republik gezwungen, deren Aktivitäten durch ein Dekret zu beenden. Im Jahr 1945 wurde die Akademie der Wissenschaften wiederhergestellt, nun jedoch als Akademie der Wissenschaften der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Am 1. Januar 1947 nahm auch das Institut für Sprache und Literatur seine Arbeit auf, aus dessen einer Abteilung 46 Jahre später das Under-und-Tuglas-Literaturzentrum hervorgehen sollte.

Die feierliche Eröffnung der Akademie der Wissenschaften am 22. Oktober 1938 im Saal der Industrie- und Handelskammer in Tallinn.
FOTO: Filmarchiv

1970

Am 8. Mai 1970 machte der Schriftsteller und Akademiker Friedebert Tuglas sein Testament, in dem er seinen Besitz der Akademie der Wissenschaften vermachte. Im Testament äußerte er auch den Wunsch, dass in seinem Haus in Nõmme ein Hausmuseum-Forschungszentrum eingerichtet werden möge. Es handelte sich dabei um ein Eigenheim, das 1933 von dem Schriftstellerehepaar Artur Adson und Marie Under erbaut worden war und in das Friedebert und Elo Tuglas, deren Haus in Tartu abgebrannt war, 1944 einziehen konnten, nachdem die eigentlichen Besitzer ins Exil gegangen waren.

Tuglas war seit 1946 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und blieb es auch während der härtesten stalinistischen Zeiten, als er unter anderem aus dem von ihm gegründeten Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde und damit die Möglichkeit verlor, seine Werke zu veröffentlichen. Wahrscheinlich in Anerkennung dieser seltsamen Unabhängigkeit vermachte Tuglas seine Manuskripte, seine Bibliothek, seine Kunst- und Fotosammlung der Akademie der Wissenschaften. Nach Listen der Erbschaftsregistrierungskommission umfasste Tuglas’ Bibliothek 12.618 Bücher und seine Kunstsammlung 1.014 Werke.

Testament von Friedebert Tuglas, 1970

1971

Am 2. März 1971, an Tuglas‘ Geburtstag, wurden die ersten Preisträger des nach ihm benannten Novellenpreises bekannt gegeben.

Der Novellenpreis wurde von Tuglas selbst gegründet – schon 1969 informierte er den Ministerrat der Estnischen SSR und den Vorstand des Schriftstellerverbandes über seinen Entschluss, einen jährlichen Literaturpreis zu gründen: „Da in meinem schriftstellerischen Werk die Novelle überwiegt, liegt die Zukunft dieses Genres mir besonders am Herzen.“ Doch so einfach war das nicht. Der Brief blieb unbeantwortet, und erst nach einem erneuten Schreiben und Besuchen hoher sowjetischer Funktionäre bei Tuglas (Tuglas war dieser endlosen Posse mittlerweile so müde, dass er schon aufgeben wollte) wurde ihm am 6. November 1970 gestattet, Geld in den Preisfond zu überweisen. Am 2. März 1971, als die ersten Preisträger bekannt gegeben wurden, wurden weder Medaille noch Erinnerungsdruck überreicht. Bereits im darauffolgenden Monat starb Tuglas, das Haus wurde renoviert, und erst 1976, als es als Hausmuseum für Besucher geöffnet wurde, wurden alle bisherigen Preisträger zur Übergabe der Erinnerungsdrucke eingeladen.

Heute ist der Tuglas-Novellenpreis der Literaturpreis mit der längsten Geschichte bei ununterbrochener Vergabe.

Am 2. März 2020 wurde der Tuglas-Novellenpreis zum 50. Mal vergeben – die Jury wählte aus den Kurzgeschichten des Jahres 2019 P. I. Filimonovs Novelle „Der Wahrheitsmoment des Sebastian Rüütel“ sowie Livia Viitols Novelle „Die Ankunft der Lehrerin“ aus.

1971

Am 27. Mai 1971 veröffentlichten das Zentralkomitee der EKP und der Ministerrat der Estnischen SSR einen Erlass, in dem die Akademie angewiesen wurde, „in Tallinn, in Nõmme, in dem Haus, in dem Friedebert Tuglas die letzten Jahre lebte, als Filiale des Literaturmuseums der Akademie der Wissenschaften der Estnischen SSR ein Hausmuseum zu eröffnen“. Durch Beschluss des Präsidiums der Akademie vom 28. September geschah dies dann auch. Der Literaturwissenschaftler August Eelmäe wurde Direktor des Hausmuseums, Valter Kruut Schatzmeister.

Die ursprüngliche Sammlung des Hausmuseums (später wurde die Sammlung ergänzt) bestand aus dem Besitz, den Tuglas der Akademie vermachte. Am meisten fanden sich in Tuglas’ Haus Bücher, die fast alle Regale und Schränke des Museums füllen (im Museum, in Tuglas’ Arbeitszimmer, wurde die Anordnung der Bücher aus Tuglas’ Zeiten beibehalten). In Tuglas’ Kunstsammlung finden sich viele Meisterwerke der estnischen Kunstgeschichte, so Werke von Nikolai Triik, Aleksander Tassa, Andrus Johani, Oskar Kallinen, Ants Laikmaa, Konrad Mägi und Ado Vabbe. Darüber hinaus enthält es den gesamten materiellen Nachlass, Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte, Manuskriptmaterial und die Phonothek.

Das Foto zeigt Tuglas’ Wohnzimmer 1963, an der Wand hängt eines der wichtigsten Werke der estnischen Kunstgeschichte, welches zur Sammlung des Literaturzentrums gehört: Nikolai Triiks „Porträt von Konrad Mägi“. 2018 wurde das Gemälde im Pariser Musée d’Orsay im Rahmen der Ausstellung „Wilde Seelen. Symbolismus in der baltischen Kunst“ gezeigt, die von mehr als 236.000 Menschen besucht wurde. Under-und-Tuglas-Literaturzentrum, F96/A15
FOTO: A. Rätsep

1976

Am 2. März 1976, zum 90. Geburtstag des Schriftstellers, wurde das Tuglas-Hausmuseum für Besucher geöffnet.

Nach Tuglas’ Tod wurde das Gebäude erweitert: Im zweiten Stock kam ein kleiner Konferenzsaal und im ersten Stock ein Arbeitsraum für Forscher hinzu. Die Erweiterung verlief nach den Plänen von Tuglas, der den Wunsch gehabt hatte, aus seinem Haus ein Hausmuseum und Forschungszentrum zu machen. So geschah es auch und aus dem Hausmuseum wurde im Laufe der Zeit die Museumsabteilung des Literaturzentrums, welche das Kulturgut von Tuglas, Artur Adson und Marie Under, die Kunstsammlung der Estnischen Kulturstiftung in den Vereinigten Staaten sowie die Buch- und Kunstsammlung von Paul Reets verwaltet.

Arbeitsraum für Forscher, fertiggestellt bei der Erweiterung des Tuglas-Hausmuseums, 1976. Under-und-Tuglas-Literaturzentrum, UTKKF13-21-10HFFO

1993

Am 19. Januar 1993 benannte die Akademie der Wissenschaften das Tuglas-Hausmuseum in Under-und-Tuglas-Literaturzentrum um. Am 4. Oktober wurde durch die Zusammenlegung der Literaturabteilung des Instituts für Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften (gebildet aus den Literatursektoren des Instituts 1988) und des Hausmuseums eine neue Forschungseinrichtung gegründet – das Under-und-Tuglas-Literaturzentrum der Estnischen Akademie der Wissenschaften.

Laut der ersten Satzung, die vom Rat des Literaturzentrums am 27. Oktober angenommen und von der Generalversammlung der Akademie am 13. Dezember genehmigt wurde, bestand die Aufgabe des Literaturzentrums im „Sammeln, Erforschen und Veröffentlichen von Material zur estnischen Literatur“.

Piret Kruuspere wurde zur zeitweiligen Direktorin und Piret Viires zur ersten Forschungssekretärin ernannt.

1993 Beschluss der Hauptversammlung der Estnischen Akademie der Wissenschaften über die Gründung des Literaturzentrums

1993

Zwischen 1993 und 1996 kamen Bibliothek, Kunstwerke und persönliche Gegenstände, die von Marie Under und Artur Adson in Schweden erworben wurden, zu den Sammlungen des Literaturzentrum hinzu.

Das Haus, in dem auf Vorschlag von Tuglas nach seinem Tod ein Hausmuseum und Forschungszentrum eingerichtet wurde, und das heute die Museumsabteilung des Literaturzentrums bildet, gehörte ursprünglich dem Schriftstellerehepaar Under und Adson. Adson schrieb hierzu: „Bei den damaligen Mietpreisen fand ich, dass ich in Nõmme für den Preis von neun Jahren Miete ein gutes Haus bauen konnte. […] Einen zusätzlichen Kredit gab es von Voldemar Puhki auf Ehrenwort, ein Teil des Materials blieb zunächst bei einer deutschen Holzfirma unbezahlt, und das zugrundeliegende Vermögen waren einige der Preise meiner Frau. Am 3. Oktober 1933 zogen wir in unsere neue Vier-Zimmer-Wohnung ein – um sie am 20. September 1944 zu verlassen, als alles nach Schweden fuhr.“

Die Familie floh vom 20. bis 22. September 1944 mit dem Schiff Triina nach Schweden. Nach der Flucht blieb von ihrem Besitz im Haus nicht viel zurück, außer ein paar Möbelstücken und Kunstwerken, die Tuglas später in einem Hohlraum in der Decke fand.

Ants Laikmaa „Mutti. Porträt von Marie Under“, 1904. Dieses Pastellgemälde der 21-jährigen Under bekam Under von Laikmaa geschenkt. Dieses Kunstwerk zählte zu den achtzehn, die von Tuglas in der Decke des Hauses gefunden wurden. Wie andere Gemälde von Laikmaa wurde es von Tuglas 1966 anlässlich der Laikmaa-Jubiläumsausstellung vorübergehend im Tallinner Kunstmuseum deponiert. Erst 2004, nach einem Besuch des Präsidenten Lennart Meri, kehrte es in sein Zuhause zurück. Under-und-Tuglas-Literaturzentrum, UTKKK1122-UA

1996

Am 25. März 1996 wurde Toomas Liiv zum Direktor des Literaturzentrums gewählt.

Bei seiner Wahl versprach Toomas Liiv, mit einer postmodernen Forschungslinie fortzusetzen, bei der eine Meinungsfülle vorherrschen würde, die der bisherigen, sich auf einer Ebene bewegenden estnischen Literaturgeschichte unterschiedliche und vielversprechende Interpretationen geben würde („Neuer Direktor am Under-und-Tuglas-Literaturzentrum“, Päevaleht 13.04.1996).

Bei der Abschlussfeier der dritten gemeinsamen Tagung baltischer Literaturwissenschaftler in der Museumsabteilung des Literaturzentrums, Dezember 1999. Vorn von links Piret Kruuspere, Guntars Godiņš, Elo Lindsalu, Dalia Čiočytė, in der zweiten Reihe Dainora Pociūtė, Benedikts Kalnačs, Dace Bula, Janīna Kursīte, Dalia Satkauskytė und Jaan Undusk

2000

Am 7. Februar 2000 wurde Jaan Undusk zum Direktor des Literaturzentrums gewählt, der das Literaturzentrum auch bis heute leitet. In seiner Programmrede bezeichnete Jaan Undusk das Literaturzentrum als ein elitäres Institut der nationalen Forschung, das wie viele ausländische Vorbilder eine Möglichkeit für Forscher mit höherer Bildung bieten würde, sich allein auf das Schreiben zu konzentrieren („Jaan Undusk zum Leiter einer Forschungseinrichtung gewählt“, Päevaleht 8.02.2000).

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Jaan Undusk, Mitglied der Akademie, wurde bereits fünfmal zum Direktor des Literaturzentrums gewählt – in den Jahren 2000, 2005, 2010, 2015 und 2020.
FOTO: Siim Lõvi/ERR

2003

Im Jahr 2003 begann das Literaturzentrum mit dem staatlich geförderten Forschungsthema „Estnische Identitätsnarrative: Ideologische und rhetorische Modelle der Kultur (2003–2007)“.

Einer der Forschungsschwerpunkte des Literaturzentrums wurde das Studium der estnischen Kultur als eines historisch multikulturellen Phänomens. Ein zusätzlicher Schwerpunkt wurde auf die auf das Nationale fokussierte Perspektive der bisherigen Identitätsdefinitionen gelegt, indem geografische Faktoren in der historischen Entwicklung der heutigen estnischen Identität betont wurden. Bei der Analyse der estnischen kulturellen Identität ist der nationale Aspekt unvermeidlich, aber als neues Ziel nahm man sich vor zu zeigen, dass die Wurzeln der heutigen estnischen nationalstaatlichen Identität auch in vielen national und/oder sprachlich „anderen“, „fremden“ oder sogar „feindlichen“ Gemeinschaften liegen. So in der deutschbaltischen Kultur oder aber in der weltweiten estnischen Exilkultur nach dem Zweiten Weltkrieg.

Neben mehreren anderen Büchern veröffentlichte das Under-und-Tuglas-Literaturzentrum eine mehr als 800 Seiten starke Literaturgeschichte über den literarischen Prozess im Exil nach dem Zweiten Weltkrieg.

2007

Am 17. März 2007 wurde im Estnischen Haus in New York eine Schenkungsurkunde unterzeichnet, mit der die Estnische Kulturstiftung in den Vereinigten Staaten ihre Kunstsammlung dem Literaturzentrum vermachte. Es handelt sich um eine Sammlung seltener Flüchtlingskunst, bzw. sogar um die einzige ihrer Art, bei der für die Sammlung eine Auswahl richtunggebend war.

1968 wurde beschlossen, eine Sammlung zu schaffen, die die hervorragendsten Werke der estnischen Kunst im Ausland bewahren sollte. Die gesamte Umsetzung sollte durch jährliche Ankäufe und Spenden finanziert werden. Exilkünstlern wurden vorgeschlagen, dass sie ihr Schaffen der Kulturstiftung für die Kunstsammlung schicken. Es wurde eine Kommission gebildet, welche geeignete Werke auswählte und den künstlerischen Wert der geschenkten Werke beurteilte. Bis 1975 wurden 33 Kunstwerke gesammelt, dann wurde die Sammeltätigkeit eingestellt. Im Laufe der Zeit sind fünf der Werke wahrscheinlich zerstört worden.

Im Jahr 2007 wurde das Hauptziel eines der Gründer der Kunstsammlung, Eduard Rüga, verwirklicht, der sich zum Ziel gesetzt hatte, die charakteristischsten und herausragenden Werke der estnischen Kunst im Ausland zu bewahren, bis Estland wieder frei ist und es möglich ist, diese in einem Museum in der Heimat unterzubringen.

Eduard Rüga „Von der Erde bis zur Sonne“, 1968. Under-und-Tuglas-Literaturzentrum, UTKKK1148-KF. Auszug aus einem Brief von Eduard Rüga, einem der Begründer der Kunstsammlung der Kulturstiftung, an Arno Vihalemm in Schweden 1968: „Hei, Pärnuer! Ich muss Dir berichten, dass die Bilder gut angekommen sind und dass wir am Samstag eine Vorentscheidung über die Kunstreife treffen, die der Vorstand der E.-K.--Stiftung für die Jury ganz einfach festgelegt hat: „Von jedem das beste Werk“.“

2008

Im Jahr 2008 begann das Literaturzentrum mit einem neuen staatlich geförderten Forschungsthema „Autogenese und Übertragung: Die Formierung moderner Kultur in Estland (2008–2013)“, um die Mechanismen der Identitätsbildung in der estnischen Literaturkultur im Bereich von Autogenese und kultureller Übertragung zu erforschen.

Die Grundhypothese des Themas war, dass die Wurzeln der estnischen nationalen Identität hybrid sind und in national, sprachlich und geographisch „fremden“ Gemeinschaften liegen: In der deutschbaltischen Kultur und dem baltischen Kulturareal, der internationalen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts, dem sich über die ganze Welt erstreckenden Exil estnischer Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kulturübertragung des sowjetischen Imperialismus. Untersucht wurden der Übergang von kolonialer Kultur zu nationaler Kultur, die Funktion des kulturellen Gedächtnisses innerhalb dieses Prozesses sowie die Entwicklung einiger grundlegender Konzepte der modernen Kultur.

Einen Querschnitt durch Problemstellungen und Ergebnisse des Themas bietet der gemeinsame Sammelband der Mitarbeiter „Autogenese und Übertragung“.

Die Zusammenfassung des Forschungsthemas wurde 2014 als 25. Ausgabe der Reihe „collegium litterarum“ des Literaturzentrums unter dem Titel „Autogenese und Übertragung“ veröffentlicht. Die Artikel der insgesamt zwölf Autoren verbindet die Untersuchung der Probleme von Autogenese und Transfer sowohl in der estnischen Kultur als auch in der Kulturtheorie überhaupt.

2011

Am 22. Februar 2011 unterzeichnete der Kunst- und Literaturkritiker Paul Reets, Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbandes und Ehrenmitglied des Kunstvereins Pallas, in seinem Haus in Boston einen Brief, in dem er seinen kulturhistorischen Besitz dem Literaturzentrum vermachte.

Laut Schenkung besteht seine Kultursammlung aus „einer Kunstsammlung, einer Bibliothek und japanischem Porzellan“, dazu jedoch auch aus Tagebüchern, einer Fotosammlung und anderen Dokumenten, wie zum Beispiel der Korrespondenz mit Marie Under und Artur Adson. In den folgenden Jahren gingen ca. 800 Werke der estnischen und westeuropäischen Kunst (u.a. Gemälde und Drucke von Eduard Rüga, Epp Ojamaa-Kuhn, Arno Vihalemm, Aquarelle von Ruth Tulving und Silvia Leitu, Endel Kõks, Ilse Leetaru, Johann Naha, Herman Talvik, Agathe Veeber) sowie mehr als 800 Bücher von bibliophilem oder künstlerischem Wert an die Museumsabteilung des Literaturzentrums.

Ilse Leetaru „Obst“, 1974. Sammlung Paul Reets. Under-und-Tuglas-Literaturzentrum, UTKKK1192/PR

2014

2014 begann das Literaturzentrum mit einem neuen Forschungsthema „Verflochtene literarische Geschichten: Die diskursive Geschichte der estnischen Literaturkultur (2014–2019)“.

Die Entstehung und Entwicklung der literarischen Kultur in Estland wird als ein historisch verflochtener Prozess (histoire croisée) nationaler, staatlicher, kultureller, kolonialer und anderer Motive betrachtet, bei dem verschiedene Formen von Überschneidungen, Konfrontationen und Hemmungen eine wichtige Rolle spielen. Die Art der Forschung ist diskursbasiert, basierend auf solchen historisch wichtigen Gesprächsbereichen der mehrsprachigen baltischen Gesellschaft wie Geschichte, Religion, Umwelt, Intimität usw. In Zusammenarbeit mit einer internationalen Autorenschaft wird die Geschichte der literarischen Kultur in Estland (und Lettland) vom 13. bis ins 19. Jahrhundert, einschließlich ihrer reichen deutschen Komponente, untersucht. Die Moderne wird als eine Lebensform betrachtet, die sich in einem Spannungsverhältnis zu nationalen Bestrebungen entwickelt hat und die Emanzipation betont, wobei die Symbolfiguren des Dekadenten, des Aszendenten, des Künstlers usw. sowie verwandte Denkfiguren (Autonomie, Zeit, Unendlichkeit) hervorgehoben werden. Postsowjetische Belletristik, Theater und Film werden als Faktor der Erinnerungskultur der jüngsten Geschichte untersucht.

Das Literaturzentrum hat 14 internationale und 13 estnische Konferenzen im Rahmen des Forschungsthemas (mit-)organisiert. Darunter war 2017 die internationale Konferenz über kulturelle Übertragungen und Verflechtungen in Literatur und Kultur, die hier in Tallinn stattfand.

2019

Bis Ende 2019 wurden fast 9000 Fotos und Fotopostkarten, mehr als 11000 Seiten Manuskripte und Exzerpte und mehr als 1000 Seiten Korrespondenz aus den Sammlungen des Literaturzentrums digitalisiert. Darüber hinaus wurden kleine Publikationen, Dokumente und andere Archivalien digitalisiert sowie fast 900 digitale Bilder von Kunstwerken und mehr als 500 Bilder von Gegenständen erstellt.

Das Literaturzentrum ist seit 2009 an das Museumsinformationssystem MuIS angeschlossen, wo bis Ende 2019 Informationen zu insgesamt 32181 Museumsobjekten aus den Sammlungen des Literaturzentrums eingegeben wurden. Die Digitalisierung der Repositorien und deren Eingabe und Beschreibung in MuIS wird fortgesetzt.

Die Bestände des Literaturzentrums können hier eingesehen werden.

Die Juli-Ausgabe 1941 der Zeitschrift „Looming“ konnte wegen der herannahenden Front nicht herausgebracht werden. In den Sammlungen der Museumsabteilung des Literaturzentrums befinden sich auch die Korrekturbögen dieser unveröffentlicht gebliebenen Ausgabe.